28.10.2026

Ob Christus gleich gekreuzigt ist in der Schwachheit, so lebet Er doch in der Kraft Gottes, und ob wir auch schwach sind in Ihm, so leben wir doch mit Ihm in der Kraft Gottes.

2 Kor. 13,4. Paulus lehret in diesen Worten, daß wahre Christen durch den Glauben schon im Stand ihres irdischen Lebens in einer Gemeinschaft sowohl mit dem Stand der Erniedrigung als auch mit dem Stand der Erhöhung Christi stehen, gleichwie er auch Röm. 6. und 8. Gal. 2. und Eph. 2. sagt, daß sie mit Christo leiden, gekreuzigt, gestorben und begraben, auch lebendig gemacht, auferweckt und in das himmlische Wesen versetzt seien. Christus ist gekreuzigt worden in der Schwachheit . Sein Leib wurde dabei schwach, und Seine Seele wurde auch bei ihrer größten Reinigkeit und bei ihrer innigsten Vereinigung mit der Gottheit freiwillig schwach, indem sie ihre Wunderkraft nicht brauchte, sich der tiefsten Traurigkeit und dem Gefühl der Schmach überließ, und ihr des göttlichen Trostes so sehr mangelte, daß sie klagte: Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen? In die ganze Tiefe dieser Schwachheit des Erlösers kann kein Christ hinabsinken, doch kann und muß er auch etwas davon empfinden, folglich, wie Paulus redet, in Christo schwach sein. Schmerzen und Mattigkeit des Leibes, Traurigkeit der Seele, Mangel eines kräftigen Trostes, geistliche Dürre und Finsterniß, worin er, ohne sich selber helfen zu können, geduldig harren muß, bis der Trost und die Hülfe einbrechen, kommen mehr als einmal bei ihm vor. Er ist aber dabei doch in Christo, und leidet dieses Alles, weil er in Ihm ist, folglich auch an Seinen Leibes- und Seelenleiden Antheil haben, und Seinem Ebenbild, in so fern es auch ein Marterbild ist, gleich werden muß. Doch währt dieser Zustand, in so fern er schmerzlich ist, nicht an Einem fort, wiewohl nie alle Schwachheit vergeht. Er lebet auch mit Christo in der Kraft Gottes, gleichwie Christus selbst sein Seiner Auferstehung in der Kraft Gottes lebt. Diese Leben mit Christo in der Kraft Gottes zeigt sich bei einem Christen innerlich gegen die Sünde und gegen die Anfälle böser Geister, denen er immer widersteht und die er überwindet: es zeigt sich aber auch von außen oder gegen Andere, denen man ohne Furcht mit kräftigen Worten und heiligen Werken begegnet, und die Herzen rühret. Paulus drohete den Korinthern 2 Kor. 13., er wolle, wenn er zu ihnen kommen werde, nicht schonen. Er wolle sie, ob er schon nach der Natur ein schwacher Mann sei, durch die Kraft Gottes, die mit seinen Worten verbunden sein werde, scharf bestrafen, beschämen, heilsam betrüben und verwunden, oder wohl gar denjenigen, der sich gröblich vergangen hatte, zum Verderben des Fleisches dem Satan übergeben. So weit durfte nun freilich Niemand gehen als ein Apostel, hingegen soll doch ein jeder Christ mit Christo in der Kraft Gottes leben, und es sollen bei ihm die seltsamen und doch wahren Aussprüche erfüllt werden: wenn ich schwach bin, so bin ich stark, 2 Kor. 12,10. Als die Traurigen, aber allezeit fröhlich, als die Armen, aber die doch Viele reich machen, als die Nichts inne haben, und doch Alles haben, 2 Kor. 6,10. wer niedrig ist, rühme sich seiner Höhe, und wer reich ist, rühme sich seiner Niedrigkeit, Jak. 1,9.10. Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt sind, denn das Himmelreich ist ihr, Matth. 5,10. Wer lebet und an Christum glaubet, wird nimmermehr sterben, Joh. 11,26. Mel.: Jesu, der Du meine Seele. 1.
Das ist eine Wundersache,
Schwach sein, aber doch in Kraft;
Dennoch freuet euch, ihr Schwache,
Das war Christi Eigenschaft;
Aus der Schwachheit, als entkräftet,
Ward Der an Sein Kreuz geheftet,
Der aus Gottes Kraft doch lebt.
Nun nach solchem Bilde strebt! 2.
Hält die Welt uns niederträchtig,
Fühlen wir uns schwach und klein,
So wird Christi Kraft doch mächtig
Auch in denen Schwachen sein.
Selbst die Schwachheit macht geschäftig,
Schwache Beter beten heftig,
Die Geduld ermannt sich mehr,
Und der Glaube kämpfet sehr. 3.
Ist uns Schwachen was gelungen,
So wird Gottes Ruhm erst kund,
Seiner Kraft wird Lob gesungen,
Weil es nicht in uns’rer stund.
Jesu, wo wir Schwachheit merken,
Wollst Du Dir zum Ruhm uns stärken;
Ewig sei für deine Macht
Dank und Ehre Dir gebracht!