15.03.2026
Was kein Auge gesehen, und kein Ohr gehöret hat, und in keines Menschen Herz gekommen ist, hat Gott bereitet denen, die Ihn lieben.
1 Kor. 2,9. Paulus führt hier Worte an, worin Jesaias von der zukünftigen Gnade, die dem Volk Gottes widerfahren werde, geweissagt hat, s. Jes. 64,4. Weil nun Paulus die gnadenreiche Zeit des Neuen Testaments wirklich erlebt hatte, so deutete er die Weissagung Jesaiä auf die in Christo Jesu erschienene heilsame Gnade, deren ein Christ bei Leibesleben durch den Glauben theilhaftig werden kann, deren völliger Genuß aber auf die selige Ewigkeit aufgespart ist. Er sagt von derselben, Gott habe sie denen bereitet, die Ihn lieben. Es habe sie aber kein Auge gesehen, und kein Ohr gehöret, und sie sei in keines Menschen Herz gekommen, das ist, es habe Niemand einen Gedanken oder eine Vorstellung davon bekommen. Uns aber, setzt er hinzu, hat es Gott geoffenbart durch Seinen Geist, V. 10. Ob er also gleich dasjenige, was Gott bereitet hat, als etwas Verborgenes beschreibt: so bezeugt er doch, daß es von Gott geoffenbart worden sei. Es ist den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber geoffenbart, Matth. 11,25. Es ist zu der Zeit, da Paulus lebte, vielen Juden und Griechen, und auch den Klugen, Schriftgelehrten, Weltweisen und Obersten unter ihnen verborgen geblieben, den Aposteln aber, und durch sie den Berufenen durch den Geist geoffenbart worden, 1 Kor. 20. 2,8. 1,24. Es ist endlich allen natürlichen Menschen verborgen, und was man davon redet, dünkt sie eine Thorheit zu sein; den geistlichen Menschen aber ist es entdeckt, und wird von ihnen als eine göttliche Kraft und als eine göttliche Weisheit erkannt, 1 Kor. 2,14. Paulus deutet bei dieser ganzen Lehre auf den gekreuzigten Heiland, welcher den Berufenen göttliche Kraft und göttliche Weisheit ist, oder welcher ihnen von Gott zur Weisheit, und zur Gerechtigkeit, und zur Heiligung, und zur Erlösung gemacht ist. Kein natürliches Auge hat Ihn als den einigen Weg zum Vater entdeckt, kein Ohr hat von den Weisen dieser Welt gehört, was für eine Gnade den Menschen in Christo Jesu bereitet sei, auch hat sich kein natürlicher Mensch jemals davon eine Vorstellung in seiner Seele machen können. Man bemerke aber, daß Paulus nicht nur von der Erlösung Jesu Christi rede, insofern sie außer uns durch die Aufopferung Seiner selbst am Kreuz geschehen ist, sondern, daß er zugleich auch auf die Kraft und Wirkung derselben deute, die ein Glaubiger auf Erden in seinem Herzen erfährt, und in jener Welt ewiglich erfahren wird. Das wahre Christenthum oder das geistliche Leben ist also, ob es schon durch Werke sich offenbart, nach einer andern und innerlichen Seite etwas Geheimes, Verborgenes und der Welt Unbegreifliches. Die Welt fährt, wenn sie von geistlichen Empfindungen und Erfahrungen reden hört, schnell zu, und nennt Alles Einbildung, fanatisches Wesen und Thorheit. Allein so urtheilt ein Blinder von der Farbe. Kein Weltmensch, er sei so klug oder gelehrt als er wolle, kann sich vorstellen, was in den Herzen derer vorgehe, die den HErrn Jesum lieben, und Seine Gnade genießen. Die äußerlichen Sinnen des Weltmenschen haben noch nichts davon entdeckt, und in sein Herz ist noch kein richtiger Gedanke und keine Empfindung davon gekommen. Mel.: Mein Gott, das Herz etc. 1. Was sonst kein menschlich Aug’ geseh’n, Und noch kein Ohr gehört, Das lernt ein Christ schon hier versteh’n, Weil Gottes Geist ihn lehrt. 2. Was in kein menschlich Herz noch kam, Kommt in des Christen Sinn. Was ist’s? Es ist des Heilands Nam’, Und der erfreuet ihn. 3. Die Welt faßt dieß Geheimniß nicht, Was man in Jesu hat; Des Christen Aug’ sieht dieses Licht, Und sieht sich niemals satt. 4. Die Welt verstopft ihr Ohr dem HErrn, Sein Wort dünkt ihr nicht klug; Der Christ hört aber nichts so gern, Und hört es nie genug. 5. Ein Weltherz freut sich der Vernunft, Und spricht dem Glauben Hohn, Der Christ glaubt Christi Wiederkunft, Und diese freut ihn schon. 6. Dort sieht das Aug’, dort hört das Ohr Nun erst vollkommen klar, Was man geglaubt, und doch zuvor Noch ein Geheimniß war. 7. Dort wird das Herz vom Strom erfüllt, Wo Du, HErr Jesu, bist; Da hier es nur wie Tropfen quillt, So süß es immer ist. 8. Ich flehe Dich, ach richte Du, Mein Heiland, in der Zeit Mein Aug’, mein Ohr, mein Herz recht zu Zu jener Seligkeit!