29.07.2026
Laß Dir wohlgefallen die Rede meines Mundes, und das Gespräch meines Herzens vor Dir, HErr mein Hort und mein Erlöser.
// Ps. 19,15. // David hatte eine Betrachtung über den Himmel und die Sonne angestellt, und mit dieser das helle klare Wort Gottes verglichen, welches die ganze Welt, wo es gepredigt und angenommen wird, erleuchtet. Nachdem er hierauf dieses Wort Gottes hoch gepriesen hatte, that er V. 13. 14. etliche Bitten an Gott, und beschloß endlich den Psalmen mit den Worten: laß Dir wohlgefallen die Rede meines Munde, und das Gespräch oder die Betrachtung meines Herzens vor Dir, HErr mein Hort und mein Erlöser. Indem er den Psalmen schrieb, redete sein Mund nichts, er drückte aber den Beschluß desselben so aus, wie er sich für denjenigen schickte, der diesen Psalmen liest, und mit dem Munde ausspricht, und die darin enthaltene Betrachtung so in sich hinein nimmt, daß sie eine Betrachtung seines Herzens heißen kann. Die Rede des Mundes kann Gott wohlgefallen, wenn sie nichts al Wahrheit enthält, und zugleich eine Betrachtung des Herzens ausdrückt, folglich keine heuchlerische Rede ist. Vor Gott soll diese Betrachtung des Herzens angestellt werden; so daß man seine Gegenwart dabei sich vorstellt und fühlt, und von Seinem Geist geleitet wird. Auf diese Weise sind auch die in diesem Buch enthaltenen Betrachtungen gedacht und geschrieben worden, wiewohl sie nicht so rein und unfehlbar sind, wie die Psalmen Davids, und wenn der Leser sie lesend ausspricht, und zu Betrachtungen seines eigenen Herzens macht, so soll er auch mit seinem Geist vor Gott sein, und Seiner göttlichen Unterweisung, die ihm durch die in diesem Buch enthaltenen Wahrheiten widerfahren kann, bei sich Raum geben. Wer redet und schreibt, was er selbst nicht glaubt, ist ein boshafter Betrüger; und wer Amts oder Ruhms halber Wahrheiten redet und schreibt, und darüber auch mit seiner Vernunft Betrachtungen anstellt, aber so, daß daran sein Herz oder sein Innerstes keinen Antheil nimmt, und Gottes wirksame Gegenwart nicht empfindet, betrügt sich selbst, indem er meint, er glaube etwas, das er doch nicht von Herzen glaubt. Aus seinem eigenen Munde wird er dereinst gerichtet werden. David nannte hier Gott seinen Hort und seinen Erlöser. Das Wort Hort bedeutet eigentlich einen Felsen, auf welchem ein Mensch zu derjenigen Zeit, da die jetzigen kriegerischen Werkzeuge noch nicht erfunden worden waren, seine Sicherheit finden konnte. Indem also David Gott seinen Hort nannte, so bekannte er, daß Gott ihn beschirme, und gegen die Stolzen, von denen er V. 14. redete, und gegen alle seine Feinde in Seinen Schutz nehme. Er nannte Ihn aber auch seinen Erlöser, weil er glaubte, daß Er das ihm angethane Unrecht räche, und ihn aus einer jeden Noth, in die er gerathe, wieder errette. Auch ich darf den HErrn meinen Hort nennen, und mich dadurch der Furcht erwehren. Ich darf ihn meinen Erlöser nennen, und wenn ich es glaubig thue, so wird mich die Ungeduld und Zaghaftigkeit in keiner Noth überwältigen. Mein Mund soll Ihn bekennen, und was mein Mund redet, soll mein Herz glauben, und beides soll vor Ihm geschehen, so daß mich Sein Licht erleuchte, und Seine Kraft leite. Was Er 1 Mos. 17,1. zu Abraham gesagt hat, gilt auch mir. Ich bin der allmächtige (allgenugsame) Gott, wandle (schreibe, rede, denke, leide, und thue deine Werke) vor Mir, und sei fromm. // Mel.: // Alles ist an Gottes Segen. 1. Nimm die Rede meines Mundes, Mein Gespräch des Herzensgrundes, Mein Gott, mit Gefallen an; Komm’ ich zu Dir als ein Armer, Zeig’ Dich mir als ein Erbarmer, Der dem Bettler helfen kann. 2. Bet’ ich in der Reu’ der Sünden, Laß dich, o Fürsprecher, finden, Der Du bei dem Vater bist! Sind wir schon unnütze Knechte, So ist Jesus der Gerechte, Der der Welt Versühner ist. 3. Fühl’ ich täglich in der Seele, Wie mir noch so Vieles fehle, Das ich auch erbeten soll: O so mach’ aus Deiner Fülle, Reicher Heiland, weil’s Dein Wille, Mich mit Gnad’ um Gnade voll! 4. Laß mich in den letzten Stunden, Als versühnt durch heil’ge Wunden, In getroster Hoffnung steh’n; Jesu! Du hast’s ja versprochen, Laß, wenn Aug’ und Herz gebrochen, Meinen Geist gen Himmel geh’n.