29.01.2026
HErr, Du hilfest beiden, Menschen und Vieh.
Ps. 36,7. Die Menschen haben durch die Schöpfung, und durch die Erlösung große Vorzüge vor dem Vieh erlangt, und durch die Heiligung und Verherrlichung werden diese Vorzüge bei den Auserwählten bestätigt. Doch sind die Menschen, die auf Erden leben, darin dem Vieh ähnlich, daß sie, wie dieses, lebendige, aber auch vieler Mühseligkeit ausgesetzte und sterbliche Geschöpfe sind, und zum Theil einerlei Nahrung mit diesem haben. Leblosen Dingen kann kein empfindliches Uebel, folglich auch keine eigentliche Hülfe widerfahren: aber die Menschen und das Vieh, welche etwas empfinden können, sind einer mannigfaltigen göttlichen Hülfe fähig, wodurch sie von dem Uebel, das sie drückt, befreit werden. Nun sagt David: HErr, Du hilfest beiden, Menschen und Vieh, und betrachtet hiebei den HErrn als Schöpfer der Menschen und des Viehes. Gott hat nämlich Wohlgefallen an Seinen Werken, insofern sie noch sind, wie Er sie gemacht hat, Ps. 104,31. Er ist gegen Allen gütig, und erbarmet Sich aller Seiner Werke. Ps. 145,9.; gleichwie Ihn auch alle Seine Werke an allen Orten Seiner Herrschaft loben sollen, Ps. 103,22. Es gibt also eine gewisse Verbindung, in welcher Gott mit Seinen Werken oder Geschöpfen, und die Geschöpfe mit Ihm als ihrem Schöpfer stehen, welche bei Gott ein gewisses Wohlgefallen, Güte und Erbarmung einschließt, bei den Geschöpfen aber ein gewisses Zutrauen zu ihrem Schöpfer, eine Erwartung Seiner Hilfe und das Lob desselben erwecken soll. Die Sünde hat bei den Menschen verursacht, daß diese Verbindung zwar nicht zernichtet wurde, doch aber zur ewigen Glückseligkeit derselben nicht mehr genugsam war; und sie haben, um diese zu erlangen, neben dem Schöpfungsrecht auch das Gnadenrecht nöthig, welches ihnen Jesus Christus durch Seine Erlösung erworben hat. Uebrigens hilft Gott den Menschen als Menschen und dem Vieh als Vieh. Kostbar ist Seine Güte, und Menschenkinder dürfen zuversichtlich und ohne Furcht unter dem Schatten Seiner Flügel, das ist unter Seinem wohlthuenden Schutz, hingehen; da sonst jeden Augenblick etwas auf sie andringen könnte, das sie quälete oder gar tödtete, Ps. 36,8. Er höret aber auch die jungen Raben, die Ihn anrufen, Er gibt dem Vieh sein Futter. Er lässet Brunnen quellen in den Gründen, daß die Wasser zwischen den Bergen hinfließen: daß alle Thiere auf dem Felde trinken, und das Vieh seinen Durst lösche, Ps. 104,10.11. Er gibt allem Fleisch Speise, denn es wartet Alles auf Ihn, daß Er ihnen Speise gebe zur rechten Zeit. Ja Er macht fröhlich, was sich beweget, beides des Morgens und des Abends, und hat überdieß geboten, daß der Mensch, wenn er den Namen eines Gerechten tragen will, sich auch seines Viehes erbarmen solle. Ps. 136,25. 65,9. Spr. 12,10. Es gibt Anfechtungen, worin auch gerechte Menschen sich des verzagenden Unglaubens damit erwehren müssen, daß sie sich erinnern und Gott vorhalten, Er habe sie geschaffen, im Mutterleibe gebildet, und bisher erhalten, folglich könne Er Seine Hand von ihnen nicht abziehen. Ein Beispiel ist Hiob K. 10,8-13., doch kommt ihnen der Heilige Geist bald zu Hülfe, daß sie auch aus höhern Gründen Zuversicht zu Gott fassen können. Fasse also o Mensch, wer du auch bist, ein Vertrauen zu Gott als deinem Schöpfer, und erwarte Hülfe von Ihm. Fange aber auch an, Ihn anzurufen: Er wird dich erhören, wenn auch dein Gebet so unförmlich wäre, als das Geschrei der jungen Raben. Lasse dich aber auch weiter leiten. Du hast eine unsterbliche Seele, du bist erlöst durch Christum, du bist auf Seinen Namen getauft, und zu einer ewigen Herrlichkeit berufen und bestimmt. Bitte also auch im Glauben um die geistlichen Gaben, die dir Christus erworben hat, und die dich zu diesem großen Zweck führen können. Auf diese Weise wirst du aus einem natürlichen Menschen ein Christ, ein Kind Gottes, und ein Erbe Gottes und Miterbe Christi werden. Mel.: Eins ist Noth, ach HErr, dieß etc. 1. Gott erbarmt Sich aller Werke, Welche Seine Hand gemacht; Wo ich Seine Allmacht merke, Nehm‘ ich Güte auch in Acht: Und diese ist würdig, gelobet zu werden. Bei schreienden Raben, bei weidenden Heerden, Und was ich, vom Schöpfer erhalten, besieh, Heißt’s: Gott, Du hilfst beiden, dem Menschen und Vieh. 2. Macht nun Gott mit Wohlgefallen Alles Fleisch auf Erden satt, Weiß Er auch auf diesem Ballen, Was Er da für Kinder hat. Geschwister, wir wollen die Sorgen verwerfen, Der Vater weiß, daß wir das Alles bedürfen; Wir beten, und danken, und loben Ihn hie: O Gott, Du hilfst beiden, dem Menschen und Vieh!