30.04.2026

An den Menschen ein Wohlgefallen.


Luk. 2,14. Wer sollte nicht gern ein Mensch sein, wenn er bedenkt, daß das ganze Heer heiliger Engel in der Nacht, da Christus geboren wurde, gesagt hat: an den Menschen ein Wohlgefallen! Ohne Zweifel sagten sie dieses vornämlich in dem Bezug auf Gott, da sie nämlich bezeugten, Gott habe an den Menschen ein Wohlgefallen; doch vereinigten sie sich ohne Zweifel mit der Gesinnung ihres Gottes, und gaben zu verstehen, daß auch sie an den Menschen ein Wohlgefallen haben. Wem haben aber die Menschen dieses Wohlgefallen zu danken? Dem eingebornen Sohn Gottes, welcher in derselbigen Nacht als ein Menschenkind in einem Stall zu Bethlehem geboren wurde. Was für ein edles und unbegreiflich wunderbares Geschöpf muß doch ein Mensch sein, weil in einer menschlichen Natur die ganze Fülle der Gottheit wohnen, und sie fähig sein konnte, mit dem wesentlichen Wort persönlich vereinigt zu werden! Ferner: wie lieb muß der große Gott die Menschen haben, da Er das Wort, welches bei Ihm war, Fleisch werden ließ, und zwar nicht durch eine Menschwerdung, die im Himmel vorgegangen wäre, sondern durch die Geburt von einem Weibe, durch welche der Sohn Gottes ein Sohn Davids, Abrahams, Noahs und Adams, folglich aller Menschen Anverwandter geworden ist! Was für große Gaben, was für eine reiche Gnade und Herrlichkeit müssen den Menschen durch diese Menschwerdung und durch die ganze Erlösung, die der Sohn Gottes ausgeführt hat, bereitet worden sein! zu was für einer großen Wonne, zu was für einem hohen Ehrenstand, zu was für einer innigen Vereinigung mit Gott können die Menschen durch den Sohn Gottes gelangen! Sie sollen Kinder und Erben Gottes und Miterben Christi werden. Sie sollen gleich werden dem Ebenbild des Sohnes Gottes. Die Liebe, womit der Vater den Sohn liebt, soll auch in ihnen sein, und der Sohn Gottes selbst in ihnen, Joh. 17,26. Wer kann dieses Alles genugsam begreifen? Wer kann’s hoch genug schätzen? Da uns nun Gott um Seines Sohnes willen nach dem Zeugniß der Engel Seines Wohlgefallens würdigt, und das ewige Leben in Seinem Sohn von sich stößt, sich selbst des ewigen Lebens nicht werth achtet (Ap. Gesch. 13,46.), seine Natur durch Gräuel schändet, Gott den Rücken und der Hölle das Angesicht zukehrt, und, da ihn Gott selig machen will, dem Verderben zueilt. Dieses ist aber der Sinn aller Unglaubigen und Gottlosen. Sie denken freilich nicht auf eine ausgewickelte Weise so, allein in ihres Herzens Grund liegt diese Gesinnung, wie ihre daraus entspringenden Werke anzeigen. Ach daß das Evangelium, welches von Engeln und Menschen und von dem Sohne Gottes selber gepredigt worden ist, in allen Menschen ein Vertrauen zu Gott erweckte, aus welchem eine redliche Zukehr zu Gott und ein Verlangen nach Seiner Gnade entstehen könnte, welches hernach, wenn es redlich und anhaltend ist, nicht unerfüllt bleiben, und ein redliches Bestreben, den Willen Gottes zu thun, nach sich ziehen würde! Mel.: Nun laßt uns Gott dem HErren.
1.
So oft ich das Verderben,
Worin wir sollen sterben,
Und die Erlösung prüfe,
So heißt’s: o welche Tiefe!
2.
Gott will noch unser Leben,
Und will es selbst uns geben,
Da heißt’s in froher Stille:
O Gott, welch’ guter Wille!
3.
Was bin ich? lauter Sünde;
Was macht Gott? mich zum Kinde;
Und was ist, das Ihn triebe?
Er selbst. O welche Liebe!
4.
Der Sohn ist selbst erschienen,
Mit Blut uns auszusöhnen;
Er starb für mich, die Made,
Für mich: o welche Gnade!
5.
Sein Geist wirkt in uns Triebe
Zum Glauben und zur Liebe,
Und schafft das Herz ganz neue,
Das denkt: o welche Treue!
6.
Hie that ich nichts, ich Armer;
Nur Dir soll, du Erbarmer,
Mein Herz von Danken wallen:
O welch’ ein Wohlgefallen!