17.03.2026

Thue deinen Mund weit auf, laß Mich ihn füllen.


Ps. 81,11. Als Joas der König in Israel den Propheten Elisa in seiner tödtlichen Krankheit besuchte, und wegen des elenden Zustandes, worein sein Königreich durch die Syrer gerathen war, vor ihm weinte, so hieß ihn der Prophet zuerst einen Pfeil gegen Morgen abschießen, und sagte: dieser Pfeil bedeute das Heil, welches der HErr dem Volk Israel wider die Syrer verleihen werde. Hernach hieß er ihn mit den übrigen Pfeilen die Erde schlagen; der König aber, der wohl merken konnte, daß dieses Schlagen auch wieder etwas Gutes bedeute, schlug dreimal, und hörte alsdann auf. Hierauf wurde der Mann Gottes Elisa zornig über ihn, und sprach: hättest du fünf- oder sechsmal geschlagen, wo würdest du die Syrer geschlagen haben, bis sie aufgerieben wären; nun aber wirst du sie dreimal schlagen, 2 Kön. 13,14-19. Durch diese Geschichte wird angezeigt, daß die Menschen oft allzu kleinmüthig seien, und von Gott mehr erbitten könnten als sie thun. Er sagt deßwegen zu dem Volk Israel und zu einem jeden Christen, der in dem Stammbaum Israels durch die Taufe und den Glauben eingepfropft ist: thue deinen Mund weit auf, laß Mich ihn füllen. Er redet hier so freundlich, wie eine Mutter mit ihrem kleinen Kind reden kann, dem sie zu essen gibt, und von dem sie begehrt, daß es seinen Mund weit aufthun soll, damit sie ihm viel darreichen könne. Der Mund unserer Seele ist ihre Begierde, und das weite Aufthun dieses Mundes geschieht mit einer großen Zuversicht. Wir dürfen Gottes nicht schonen; denn Er ist unermeßlich reich, und unendlich gut, auch vermag das Verdienst und die Fürbitte Seines Sohnes unbegreiflich viel bei Ihm. Wir dürfen mit einem großen Vertrauen viel von Ihm begehren und bitten. Gott hat uns die Ewigkeit in’s Herz gegeben, wie Salomo Pred. 3,11. sagt, das ist, Er hat dem Menschen ein Verlangen nach ewigen Gaben und nach einer unaufhörlichen Seligkeit eingepflanzt. Lasset uns also unsere Begierden über das kurze irdische Leben hinausstrecken, lasset uns um ein ewiges Leben, um ein unvergängliches, unbeflecktes und unverwelkliches Erbe bitten. Lasset uns nicht weniger bitten, als daß unser Loos in der Ewigkeit auf’s Liebliche falle, und wir eine unaufhörliche Sättigung aller unserer Begierden aus Ihm als einer unerschöpflichen Quelle bekommen. Gott hat den Menschen zur Gemeinschaft mit Sich selber erschaffen. Er selber will ihn bewohnen, besitzen, erfüllen, erfreuen, erleuchten, beleben, regieren und sättigen. Er will seines Herzens Trost und sein Theil sein. So lasset uns also bitten, daß Er Sich uns selber gebe, daß Er komme und Wohnung in uns mache, daß Er Seinen Geist in uns ausgieße, daß Er unser Schild und unser großer Lohn sei. Aber wir haben oft und viel und schwer gesündigt, die zehntausend Pfund (Talente) mit welchen unsere Sünden verglichen werden, sind eine große Summe. Auch stecken wir in vielen und mancherlei Nöthen, und insonderheit steht uns die letzte Todesnoth, welche gemeiniglich tief ist, bevor. Viele Pflichten liegen auch auf uns, die wir als Christen und als Knechte und Mägde Gottes in unsern Aemtern und Ständen erfüllen sollen, und diese vielen Pflichten erheischen vieles Licht, große Kraft, und überhaupt genugsame Geistesgaben. Laßt uns aber um Vergebung unserer vielen Sünden und mit einem weit aufgethanem Mund um alle Errettung und Gaben, deren wir bedürfen, bitten. Lasset uns auch in der Fürbitte unsern Mund weit aufthun. Gott will ihn füllen. Mel.: Nun ruhen alle Wälder. 1.
So ist’s denn Gottes Wille,
Daß Er uns selber fülle,
Wer nur nicht leer will sein.
Wenn wir in unser’m Bitten
Das ganze Herz ausschütten,
So füllt Er es ganz wieder ein. 2.
Ist unser Mund weit offen
In Sehnsucht und in Hoffen,
So ist der Wunsch gewährt;
bis zu dem Ueberfließen
Läßt Gott uns Gut’s genießen,
Und immer mehr, als wir begehrt. 3.
Gott Lob für Seinen Willen,
Daß Er uns selbst will füllen
Als wie Sein Heiligthum!
Nun nehm’ ich, als geladen,
Mein ganzes Herz voll Gnaden,
Den Mund recht voll vom Gnadenruhm. 4.
Gott! fülle mein Gemüthe
Mit Deiner Vatersgüte,
Mir Deines Sohnes Bild,
Mit Deines Geistes Gaben!
Dort wirst Du Ehre haben,
Wenn Gott in Allem Alles füllt.